Jahresrückblick 2025: Gemeinsam stark gegen Partnergewalt

Jahresrückblick 2025

Das Jahr 2025 war für StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt im Phoenixviertel/Wilstorf ein Jahr der starken Weiterentwicklung, der zunehmenden Professionalisierung und der deutlichen Erhöhung der Sichtbarkeit im Stadtteil. Das Projekt zeigt, wie wichtig eine niedrigschwellige und Gemeinwesen orientierte Arbeit ist. Gewalt gegen Frauen wird eher sichtbar, wenn die Menschen vertraute Orte, zugängliche Ansprechpersonen und verlässliche Strukturen vorfinden, die sie ermutigen, ins Gespräch zu kommen. Genau aus diesem Grund haben wir 2025 viele bestehende Angebote fortgeführt (z.B. Infostand Bücherhalle), zugleich aber verschiedene neue Zugänge geschaffen, um noch mehr Frauen im Stadtteil zu erreichen. 

Eine besonders bedeutende Neuerung in diesem Jahr war der Aufbau eines monatlichen StoP-Angebots in dem Eltern-Kind-Zentrum (EKIZ). Dieser Standort erwies sich als außerordentlich wertvoll, da er genau jene Menschen erreicht, die in klassischen Beratungssettings oft schwer erreichbar sind: junge Mütter, Familien mit noch unsicheren Deutschkenntnissen und Frauen in belasteten Alltagssituationen. Das offene Setting schafft einen zwanglosen Zugang, der der fachlichen StoP-Logik entspricht: Präsenz im Sozialraum, Stärkung der sozialen Netzwerke und Aufbau einer Zivilcourage-Kultur dort, wo die Menschen ohnehin sind. Im Rahmen des Angebots Frühstück im EKIZ wurde vom Coreszon-Projekt monatlich ein Input zum Thema Stressbewältigung im Alltag gegeben. 

Auch der Öffentlichkeitsarbeitsworkshop von Lena Coban, vielfalter Organisationsberatung & Facilitaton, war ein wichtiger Baustein und wurde gemeinsam vom StoP-Neuwiedenthal/Hausbruch und mit dem StoP-Phoenixviertel/Wilsdorf in Kooperation mit dem DRK Hohe Straße umgesetzt. Die Idee entstand, weil wir immer wieder beobachten, dass viele Frauen bereit wären, sich im Sinne einer mitverantwortlichen Nachbarschaft zu engagieren, ihnen jedoch konkrete Werkzeuge fehlen, um im Alltag über das Projekt zu sprechen oder anderen Frauen Unterstützung anzubieten. Durch diesen Workshop konnten wir Frauen befähigen, sicherer über Partnergewalt zu sprechen und StoP als Haltung in der Nachbarschaft sichtbar zu vertreten. Aus fachlicher Sicht stärkt diese Art von Empowerment nicht nur die Betroffenen selbst, sondern baut langfristig ein soziales Klima auf, in dem Gewalt weniger toleriert und häufiger unterbrochen wird. Dieser Workshop wurde durch das Freiwilligennetzwerk übernommen. Über das Freiwilligennetzwerk Harburg konnten wir zudem fünf neue Aktivistinnen gewinnen. Die Integration neuer Frauen ist ein wichtiger Bestandteil der StoP-Methodik, denn StoP lebt von der Arbeit der Aktivistinnen. Mit jeder neuen Aktivistin wächst die Reichweite von StoP, da sie das Gelernte in ihre eigenen sozialen Kontexte hineinträgt.

 


FRAUENCAFÉ PHOENIXVIERTEL 2025 
 
Das Frauencafé Feuervogel blieb auch 2025 ein zentraler und vertrauter Ort für Begegnung, Austausch und Unterstützung. In Kooperation und die enge Zusammenarbeit mit den Stadtteileltern von KAMI e.V., Elternschule Maretstraße und IN VIA Harburg Feuervogel war auch 2025 ein wesentlicher Bestandteil des Frauencafés. Viele Frauen beschreiben das Café als einen geschützten Raum, in dem sie nicht bewertend angeschaut, sondern angenommen werden. Diese Atmosphäre ist ein entscheidender Faktor, damit die sozialen Netzwerke in der Nachbarschaft wachsen und verschiedene Brücken ins Hilfesystem gebildet werden können. Das Café wurde regelmäßig von 18-25 Frauen besucht; viele von ihnen nahmen langfristig teil und brachten wiederum andere Frauen mit. 

Ein besonders prägender Moment im Jahr 2025 war der Besuch der Zeitschrift „Tina“, die beim Zuckerfest im Frauencafé über unser Projekt mit dem Artikel “Gewalt gegen Frauen geht uns alle an” berichtete. Dieser Besuch hatte eine Wirkung, die weit über Medienpräsenz hinausging. Eine Frau, die über viele Jahre hinweg Gewalt erlebt hatte, fasste durch diese Erfahrung den Mut, öffentlich über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. Sie tat dies nicht aus persönlichem Bedürfnis, sondern explizit, um anderen Frauen Mut zu machen. Dieser Moment zeigt eindrucksvoll, wie Empowerment in einem sicheren Rahmen gelingen kann und wie bedeutsam solche öffentlichkeitswirksamen Signale für andere betroffene Frauen sind. 

KÜCHENTISCH PHOENIXVIERTEL 2025 
 
Der Küchentisch bleibt das Herzstück der StoP-Arbeit. Hier kommen die Aktivistinnen zusammen, reflektieren Erfahrungen, planen Aktionen und stärken sich gegenseitig. Das Jahr 2025 war geprägt von einer sehr aktiven und engagierten Küchentisch-Gruppe. Die Vielfalt der Sprachen der Küchentisch-Aktivistinnen sorgt dafür, dass Frauen im Stadtteil unabhängig von ihrer Herkunft oder Sprachkompetenz partizipieren können. Auf diese Weise tragen wir aktiv zur Zugänglichkeit des Hilfesystems bei und reduzieren Barrieren, die insbesondere migrantische Frauen häufig daran hindern, Hilfe zu suchen. 


 
Prof. Dr. Sabine Stövesand lud die Phoenixviertel-Aktivistinnen ein, im Rahmen ider StoP-Fortbildung die Stadtteilarbeit vorzustellen. Diese Präsentation war ein wichtiger Schritt, denn sie verdeutlichte, dass die Aktivistinnen nicht nur Teilnehmende sind, sondern selbst Expertinnen für Zivilcourage, Empowerment und Gemeinwesenarbeit wurden. Ihre Beiträge zeigten, wie tief die Frauen das Konzept verinnerlicht haben und wie stark ihre Selbstwirksamkeit gestiegen ist. 

Neben diesen Höhepunkten führten wir 2025 erneut mehrere Workshops durch, unter anderem zu mentaler Gesundheit, Selbstfürsorge, Stressbewältigung und „Ayurveda stärkt – Gewalt schwächt“. Die Inhalte dieser Workshops sind fachlich wichtig, weil freiwilliges Engagement in einem so belastenden Themenfeld nur nachhaltig funktionieren kann, wenn die Aktivistinnen selbst geschützt und gestärkt werden. 

In den Herbstferien fanden die Corezon-Workshops für Mädchen zwischen 14 und 20 Jahren. Viele Mädchen berichteten im Anschluss, dass sie zum ersten Mal verstanden hatten, wie Stress entsteht und wie sie sich selbst schützen können. Diese präventive Arbeit mit jungen Frauen ist ein wachsend wichtiges Feld, da Prävention früh ansetzen sollte. 

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT UND AKTIONEN BEIDE PROJEKTE 2025 
 
Der 8. März – der feministische Kampftag – war erneut ein wichtiger Schwerpunkt unserer Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam mit den Aktivistinnen bereiteten wir Blumensamen mit StoP-Flyern vor, die im Stadtteil verteilt wurden, und unterstützten die BIFF-Demonstration in Harburg mit selbst gestalteten Schildern. Die kreativen Schilder dienten nicht nur der Sichtbarkeit, sondern wirkten auch identitätsstiftend für die Frauen, die sich offen zu StoP bekannten.  Zu den großen Ereignissen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gehörte die Berichterstattung am 8. März des NDR über unsere StoP-Aktivistinnen aus Phoenixviertel/Wilstorf und Neuwiedenthal/Hausbruch, die mit ihren blauen StoP-Schals im Stadtteil unterwegs waren. Für viele Frauen war es ein starkes Zeichen, sich selbst im Fernsehen wiederzufinden und zu erleben, dass ihr Engagement gesellschaftlich anerkannt wird. Die mediale Aufmerksamkeit stärkte die Legitimation des Projekts im Stadtteil. 

Im April fand in Kooperation mit DRK Stadtteiltreff Eddelbüttelstraße 47a ein gemeinsames Frühstück in den Räumlichkeiten der DRK im Rahmens eine Frühlingsfrühstücks statt. Zahlreiche Frauen nahmen an diesem Treffen teil. Ein besonderer Schwehrpunkt lag auf dem Thema Partnergewalt, über das eine gewalterfahrene Frau sehr offen und detailiert berichtete. Dadurch entstand ein intensiver und sensibler Austausch in geschützter Atmosphäre. 

Auch die Teilnahme am Harburg feiert Vielfalt Fest am 6. Juli zusammen mit StoP-Neuwiedenthal/Hausbruch war ein wichtiger Bestandteil unserer Präsenz im Stadtteil. Dort konnten wir mit vielen Familien und Nachbarinnen ins Gespräch kommen, StoP bekannter machen und neue Zugänge zur Nachbarschaft eröffnen. 

Der Vortrag von PATCHWORK zum Thema Cybergewalt war ein weiterer bedeutender Baustein. Digitale Gewalt nimmt in der Praxis kontinuierlich zu, und viele Frauen erkennen sie erst spät als Form von Partnergewalt. Der Vortrag wurde gemeinsam mit dem StoP-Neuwiedenthal/Hausbruch durchgeführt. Er sensibilisierte sowohl Aktivistinnen als auch Besucherinnen für diese Form der Gewalt und stärkte ihre Handlungssicherheit im Umgang mit Betroffenen. Durch den Vortrag konnten wir zudem direkt vor Ort eine Teilnehmerin über bestehende Netzwerke weiterverwiesen und sie gezielt bei der Bewältigung und dem Schutz vor Partnergewalt unterstützen.  

Neu war in diesem Jahr das StoP-Wandern an der Außenmühle. Dieses Format entstand aus dem Wunsch der Frauen nach einem niedrigschwelligen Begegnungsort, der Bewegung, Gespräche und Entspannung miteinander verbindet. Gerade für Frauen mit kleinen Kindern oder hoher Belastung bietet dieses Format einen leichteren Zugang zum Projekt und macht Unterstützung alltagsnäher. 

NETZWERKARBEIT PHOENIXVIERTEL 2025 
 
Die Netzwerkarbeit bildet eine der tragenden Säulen der StoP-Arbeit. Auch 2025 pflegten wir enge Verbindungen zu den wichtigsten Akteuren im Sozialraum. Dazu zählen die Bücherhalle, die Elternschule, der DRK-Stadtteiltreff, KAMI e.V., Coreszon, BIFF, der Integrationsrat, ASD-Netzwerkmanagement, das Freiwilligennetzwerk Harburg, Patchwork und viele weitere Einrichtungen. Diese Zusammenarbeit ist elementar, da StoP nur dann wirken kann, wenn Unterstützungsstrukturen eng miteinander verzahnt sind und sich gegenseitig stärken. 
 
September 2025 was die Teilnahme am bundesweiten Netzwerktreffen aller StoP-Projekte von Deutschland und Österreich in Berlin. Dort ging es um Weiterentwicklung, Erfahrungen aus verschiedenen Stadtteilen und die Weitergabe von Praxiswissen. Der Austausch mit anderen StoP-Standorten stellt sicher, dass wir unsere Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln und an neue Herausforderungen anpassen.

Zudem stellten wir StoP beim Sozialkontor, WANITA, Stadtteileltern sowie beim Paula-Projekt vor. Diese Einrichtungen haben einen starken Zugang zu Frauen, die sich in beruflicher Neuorientierung befinden oder soziale Unterstützung benötigen. Die Kooperation bereichert beide Seiten und wird im kommenden Jahr weiter ausgebaut. cklung, Erfahrungen aus verschiedenen Stadtteilen und die Weitergabe von Praxiswissen. Der Austausch mit anderen StoP-Standorten stellt sicher, dass wir unsere Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln und an neue Herausforderungen anpassen.

INDIVIDUELLE UNTERSTÜTZUNG UND BERATUNGEN PHOENIXVIERTEL 2025 
 
Die Anzahl der Erst- und Verweisberatungen lag bei insgesamt ca. 50 Fällen. Viele Frauen kamen über Öffentlichkeitsarbeit, andere über Kooperationspartner*innen oder durch direkte Ansprache im Sozialraum.  
 
Inhaltlich betrafen die Beratungsgespräche insbesondere Themen wie Partnerschaftsgewalt, digitale Gewalt, Trennung und Wegweisung, Wohnsituation, Aufenthaltsstatus, Kinder und Schule sowie psychosoziale Stabilisierung. Durch die enge Zusammenarbeit mit BIFF, Patchwork, Lale, KAMI e.V. und weiteren Partnern konnten wir Frauen gezielt weitervermitteln und gemeinsam tragfähige Unterstützungswege entwickeln. 

GEMEINSAME ARBEIT BEIDER STOP-STANDORTE 
 
StoP Phoenixviertel/Wilstorf und StoP Neuwiedenthal/Hausbruch arbeiteten auch 2025 vertrauensvoll und regelmäßig zusammen. Die neue Koordinatorin Sitora Ibragimova von StoP Neuwiedenthal/Hausbruch war zuvor selbst Aktivistin im Phoenixviertel. In der ersten Zeit hatte sie eine unterstützende Rolle im Phoenixviertel, nachdem sie die Fortbildung im Juni begonnen hat, hat sie das Projekt in Neuwiedenthal ganz übernommen und den ersten Küchentisch aufgebaut. Neben gemeinsamen Aktionen am 8. März und beim Vielfalt Fest gab es intensiven fachlichen Austausch zu Beratungssituationen, neuen Zielgruppen, Empowerment-Methoden und Öffentlichkeitsarbeit. Die beiden Teams ergänzen sich mit ihren Stärken und stellen sicher, dass StoP im Bezirk Harburg sowohl in den innenstadtnahen als auch in den eher randstädtischen Bereichen stark verankert bleibt. 

Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen (Orange Day), fand in den Räumlichkeiten Quellmoor eine gemeinsame Aktion mit Küchentischaktivistinnen aus beiden Stadtteilen statt. In Kooperation mit dem Mimi-Projekt wurde ein Frühstück mit Bewegungs- und Atemübungen angeboten, bei dem Raum für Austausch, persönliche Gespräche und empowernde Impulse geschaffen wurde. Die Übungen vermittelten Strategien zur Selbststärkung und zum besseren Umgang mit psychischer Belastung nach Gewalterfahrungen. Im Anschluss nahmen wir gemeinsam mit den Hamburger StoP-Projekten an der Flaggenhissung gegen Partnergewalt im Hamburger Rathaus teil. Jeweils eine Koordinatorin war vertreten. Beim anschließenden Senatsempfang fand ein intensiver Austausch mit Frauenberatungsstellen, Frauenhäusern, weiteren Netzwerken und politischen Vertreterinnen statt und bildete einen würdigen Abschluss dieses wichtigen Tages. 

Am 26. November 2025 fand erstmals eine SRT-Messe im Phoenixviertel statt, die der Netzwerkarbeit diente und den Austausch sowie das Kennenlernen von Netzwerker*innen im Stadtteil ermöglichte; dabei konnten neue Einrichtungen gewonnen werden, mit denen im kommenden Jahr eine enge Kooperation, weiteren Netzwerken und Verweisberatungen geplant sind. 

Unser Jahresabschluss 2025 fand im Rahmen einer gemeinsamen Weihnachtsfeier statt und war ein voller Erfolg. In einer warmen und wertschätzenden Atmosphäre kamen wir zusammen, um das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen. Der Abend bot Raum für Rückblick, Dankbarkeit und Austausch und bildete einen emotionalen Abschluss eines engagierten und intensiven Jahres.Gemeinsam mit StoP Neuwiedenthal und dem Phönixviertel wurde die Feier zu einem sichtbaren Zeichen gelebter Nachbarschaft im Stadtteil. Aktivistinnen aus beiden Stadtteilen kamen zusammen und machten deutlich, wie wichtig kontinuierliche Aktionen, Präsenz und Vernetzung in der Stadtteilarbeit sind. Die Weihnachtsfeier spiegelte den Zusammenhalt und die gemeinsame Verantwortung wider, die unsere Arbeit im Jahr 2025 geprägt haben. Der Abend selbst war geprägt von Freude, Nähe und vielen bewegenden Momenten. Es wurde gelacht, getanzt, gemeinsam gegessen und gefeiert. Mit einer Sofortkamera hielten wir besondere Augenblicke fest und gestalteten einen kreativen Jahresrückblick. Zusätzlich schauten wir gemeinsam Videos aus dem vergangenen Jahr, die die vielfältigen Aktionen und das Engagement im Stadtteil sichtbar machten. Das Essen wurde von  Köz-Patara Phoenixviertel/Harburg geliefert; Suppe, Salate und Baklava wurden großzügig gesponsert. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Der Abend war emotional, stärkend und bestätigte erneut die Bedeutung von gemeinschaftlicher und sichtbarer Stadtteilarbeit. 

Zum Jahresende 2025 freuen wir uns sehr über einen weiteren Artikel in der Zeitschrift tina. Diese Anerkennung zeigt uns, dass unsere Arbeit im Stadtteil gesehen und wertgeschätzt wird – und dass sich immer mehr Frauen mutig fühlen, den ersten Schritt zu gehen.  

Wir bedanken uns herzlich bei allen Akteurinnen und Akteuren sowie Engagierten im Stadtteil, und (Heves. D. besonders) die uns unterstützen und sich gemeinsam mit uns für den Schutz von Frauen vor Partnergewalt einsetzen.

StoP-Stadtteile Ohne Partnergewalt/Phoenixvietel/Wilstorf

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