Feieriche Eröffnung der neuen Bundesfachstelle in Berlin (23. Oktober 2026)
In den letzten Monaten konnte StoP einen Meilenstein bekannt geben. 16 Jahre nach Initiierung des ersten StoP-Projekts in Hamburg; nach der folgenden Etablierung von über 20 weiteren StoP-Projekten in Deutschland, mittlerweile 46 in Österreich und 4 in Moldawien; nach der Durchführung eines internationalen EU-Projekts und zahlreichen StoP-Fortbildungen und vielen, vielen weiteren StoP-Aktivitäten wie Forschung und Netzwerkarbeit ist es nun soweit: Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz finanziert für insgesamt 4 Jahre eine Bundesfachstelle (Bufa), die die StoP-Arbeit weiter entwickeln und professionalisieren wird. Sie soll die Erfahrungen und Bedarfe der bestehenden StoP-Projekte erheben, die Arbeit übergreifend koordinieren und weiterentwickeln. Dazu gehören gemeinsame Leitlinien, Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungen, Vernetzung und Dokumentation. Darüber hinaus soll sie die nachhaltige StoP-Präventionsarbeit überregional verankern, interessierte Städte und Gemeinden informieren und beraten sowie den internationalen Austausch und Wissenstransfer fördern. Für diese Arbeit konnte der StoP-Vereinsvorstand, der die Bufa federführend aufbaut, ein Team aus erfahrenen StoPler*innen und Expert*innen gewinnen, das mit der feierlichen Eröffnung in Berlin nun offiziell die Arbeit aufnimmt.

Die Eröffnung wurde als Fachtag mit anschließendem Fest im Publix gefeiert. Nach einer Begrüßung durch den StoP-Vorstand bildeten Grußworte durch Bundesministerin Dr. Stefanie Hubig den ersten Programmpunkt. Dr. Hubig führte unter anderem aus: „Gewalt ist keine Privatsache. Sie geht uns alle an.“ – „Wir müssen alle etwas tun, die Zahlen sind alarmierend.“ – „Wir wollen die Gesellschaft dafür sensibilisieren hinzusehen, Unterstützung anzubieten und Betroffene auf ihrem Weg in ein gewaltfreies Leben zu begleiten.“ Diese 3 Zitate aus den Grußworten zeigen, dass Dr. Hubig auf den Punkt trifft, was der Kern von StoP ist und dass sie die Bundesfachstelle und StoP insgesamt tatkräftig und aus Überzeugung unterstützt.

Die Grußworte wurden durch Beiträge von StoP-Koordinatorin Abeba Kiflu und der StoP-Aktiven Ljuba Böttger ergänzt, welche die Perspektive der StoP-Praxis verdeutlichten. Anschließend nahmen die Aktiven von StoP-Kreuzberg die Bühne ein und führten mit Auszügen aus ihrem selbst entwickelten Forumtheater deutlich vor Augen, dass Zivilcourage im Kontext von Partnergewalt keine Selbstverständlichkeit ist. Unsicherheit, Zweifel und Zögern, ob man sich denn einmischen könne und dürfe wurden auf der Bühne verhandelt und die fiktive Aktivistin Gisela stellte am Ende klar: Hinhören und etwas tun – das kann, darf und soll gelingen!



Im Anschluss an diese vielfältige Begrüßung stellte StoP-Gründerin Prof.in Dr.in Sabine Stövesand vor warum StoP auch und gerade im Kontext eines gut ausgebauten Hilfesystems notwendig ist und wie StoP methodisch durchgeführt wird.

Nach einer Kaffeepause wurden die Stimmen aus der StoP-Praxis in den Mittelpunkt gestellt. Jasmin Fritz, Koordinatorin von StoP Horner Geest, trug ein selbst geschriebenes Gedicht vor, in welchem sie Thematik der Partnergewalt bearbeitet. Dr.in Hannah Wachter (Bufa-Mitarbeiterin und ehemals StoP-Koordinatorin in Wien Margareten und StoP Phoenixviertel) stellte in ihrem Fachvortrag Ergebnisse aus internationaler und nationaler Forschung sowie Evaluation zu StoP vor. Sie legte hierbei den Fokus auf die Stimmen der Aktiven, die in Interviews die beeindruckende Wirkung von StoP und die vielfältigen komplexen Prozesse beschreiben. Abschließend kam Şerife Arora auf die Bühne, die als Aktive bei StoP startete und mittlerweile Koordinatorin von StoP Phoenixviertel ist. Sie erzählte ihre berührende Geschichte unter dem Titel: „Wie StoP den Stadtteil, uns und mich verändert hat” und resümierte: “Manchmal braucht es nur einen Menschen, der an uns glaubt, damit wir selbst anfangen, an uns zu glauben.”


Maria Rösslhumer, ehemalige Geschäftsführerin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser und die Gründerin des österreichischen StoP-Vereins, ließ den Blick nochmal ins Nachbarland wandern: Sie erzählte, wie es gelang mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit, politischer Aktivierung und viel Einsatz StoP erst nach Österreich zu holen und dann innerhalb von 5 Jahren den Roll Out auf alle 9 Bundesländer und 46 Projekte zu schaffen.

Abgeschlossen wurde das Programm durch Wünsche an die neue Bufa, die eingeladene Gäste auf der Bühne formulierten: Gökçen Demirağlı (Verband Sozialkultureller Zentren VskA), Linda Conradi (BAG Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V.), Markus Kissling (BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit), Dr. Sangeetha Manavalan-Thoppil und Carolina Faggion (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff)), Sibylle Schreiber, (Frauenhauskoordinierung e.V.), Wencke Lüttich (Forum Community Organizing e. V. (FOCO)). Deutlich wurde, dass StoP neben der Opferschutzarbeit und der Täterarbeit eine dritte ergänzende Säule im Bereich des Gewaltschutzes ist, die in der fachlichen Gewaltschutz- und Gemeinwesenarbeitsszene hoch willkommen ist. Wir bedanken uns für die guten Wünsche und die zahlreichen Vernetzungs- und Unterstützungsangebote!

Wir danken zudem der Moderatorin Barbara Hinrichs für die strukturierte und humorvolle Begleitung durch den Tag sowie dem Team der Location Publix, das uns hochprofessionell einen würdigen Rahmen für diese besonderen Tag bot.





