Hilfe und Tipps in Corona-Zeiten

In Zeiten von Corona – Nachbarschaftshilfe auch bei Gewalt in Partnerschaften

Nachbarn und Nachbarinnen helfen – auch bei Gewalt in Partnerschaften

 

In Zeiten von Ausgangssperren und Quarantäne-Situationen geht Familienministerin Franziska Giffey (SPD) in öffentlichen Stellungnahmen davon aus, dass es vermehrt zu häuslicher Gewalt in Familien und Partnerschaften kommen wird. Die von der Bundesregierung beschlossen Maßnahmen, zum Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus, führen in ihrer Konsequenz zu einem Rückzug ins Private. Soziale Kontakte außerhalb der eigenen Wohnungen und Häuser sollen vermieden werden, die Menschen verbringen viel mehr Zeit als sonst zusammen. Dies, so ist zu vermuten, führt zu einem vermehrten Auftreten von Konflikten und im schlimmsten Fall zu Gewalt.

In dieser Situation kommt hilfsbereiten Nachbarn und Nachbarinnen eine besondere Bedeutung bei. Sie können durch eine gute Vernetzung untereinander viele Konflikte schon im Vorfeld entschärfen oder einfach durch einen aufmerksamen Blick andere Menschen in der Bewältigung ihres Alltags unterstützen. Gleichzeitig sind sie häufig diejenigen die schon früh von Konflikten erfahren, „Nachbarn und Nachbarinnen ahnen, hören, sehen etwas, wissen aber häufig nicht, was sie tun können“ sagt Herr Rasch, Koordinator im Projekt „Stadtteile ohne Partnergewalt in Steilshoop“ (StoP). „Im Rahmen des „StoP“-Projektes werden Menschen darin bestärkt sich Hilfe bei Beziehungsgewalt zu holen oder zu geben. Denn Studien belegen, dass eine gute Nachbarschaft Schutz vor Gewalt bieten kann.“ sagt Herr Rasch.

Hört man zum Beispiel immer wieder, dass in der Nachbarwohnung wild gestritten wird, ist sich aber nicht ganz sicher, dann empfiehlt Herr Rasch, sich zunächst einmal unverbindlich mit einer Beratungs- oder Interventionsstelle für häusliche Gewalt in Verbindung zu setzen. Kontakte in ihrer nähe vermittelt ihnen sowohl die Polizei unter 110 als auch das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen 08000 116 016 (24 h.). Denn: „einfach einmal beraten lassen schadet auf keinen Fall.“

Ist man mutig, kann man bei der Nachbarwohnung auch Klingeln um eine „paradoxe Intervention“ zu starten. Das bedeutet mit einer einfachen Aktion, indem man zum Beispiel nach einer Packung Milch, etwas Reis oder einem Ladegerät fragt, die Gewalt zu unterbrechen.

Bei einer Intervention gelte jedoch immer zu überlegen, ob man im Moment selbst stark genug und in der Verfassung dafür ist, das zu tun. Wird geklingelt, ist es niemals ein Nachteil, dabei nicht alleine zu sein. Es ist einfacher zu unterstützen, wenn die Nachbarschaft untereinander gut vernetzt ist. Zugleich wird damit den Gewaltausübenden signalisiert, dass die Nachbarschaft mithört. Zudem habe sich gezeigt, dass gewalttätige Menschen sich oft nicht mehr trauen, Gewalt auszuüben, wenn sie merken, dass der ganze Stadtteil gegen jede Form der Gewalt ist.

Hat man das Gefühl, durch eine Intervention selbst in Gefahr zu geraten, rät Herr Rasch dazu, die Polizei zu rufen. Und hierbei gilt: „Besser die Polizei einmal mehr zu rufen als zu wenig.“

Wichtig sei zudem in der Öffentlichkeit Haltung zu zeigen. „Gewalt in Beziehungen ist keine Privatsache! Oft reiche nur ein Satz, um Betroffenen zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind“, sagt Frau Falkenberg (StoP Koordinatorin Steilshoop). Wenn in der Familie der Nachbarswohnung beobachtet wird, dass Kinder immer schweigsamer werden, sich nicht trauen mit anderen zu spielen oder verängstigt sind, kann man einfach einmal die Kinder und/oder die Mutter ansprechen und sagen: „Ich mache mir Sorgen. Geht es dir/ ihnen gut?“, erklärt Frau Falkenberg. Natürlich öffnen sich gerade gewaltbetroffene Frauenoftmals nicht sofort. „Halten sie sich da raus!“ ist eine häufige Reaktion. „Das ist ein Selbstschutz. Sie wollen das noch nicht öffentlich machen. Und das ist auch legitim!“, so Frau Falkenberg. „Dann sind die Betroffenen noch nicht so weit. Darum ist es wichtig, hier dran zu bleiben, immer wieder zu signalisieren, dass die Tür offen ist und Vertrauen zu gewinnen. Wer sich nicht traut, gibt einfach die Nummer des „Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen“ oder den „StoP“- Flyer weiter oder verteilt diesen auch in alle Briefkästen der anderen Nachbarn und Nachbarinnen.

Bereits vor 10 Jahren startete das von Frau Prof. Dr. Sabine Stövesand von der HAW Hamburg entwickelte Projekt in Steilshoop. Mit dem Ziel die Nachbarschaft durch Informations- und Aufklärungsarbeit, Veranstaltungen, Ausstellungen oder öffentlichkeitswirksamen Aktionen für die Anzeichen von häuslicher Gewalt zu sensibilisieren, die Isolation und das Schweigen zu brechen, praktische Unterstützung zu geben sowie die Interventionsbereitschaft und die Zivilcourage zu fördern. Mittlerweile engagieren sich auch Bewohner und Bewohnerinnen der Hamburger Stadtteile Horn, Osdorf, Harburg und Wilhelmsburg gegen Gewalt in Partnerschaften.

Wenn Sie sich über das Projekt oder zum Thema Partnergewalt informieren möchten, Unterstützung benötigen, weil Sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, melden Sie sich bei uns.

Große Sammlung von verschiedenen Materialen für die Corona Zeit

Wir haben Außerdem gibt es eine Sammlung von verschiedensten Materialien für die Corona-Zeit gesammelt und stellen sie euch Hier als Download zur Verfügung 

Was? Wo?
Infos-Broschüren, Flyer …
„Survival-Kit für Männer unter Druck“ = Initiative der Dachorganisationen für Jungen-, Männer- und Väterarbeit aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. 10-Schritte-Handlungsempfehlung in vielen Sprachen (als pdf), die betroffene Männer dabei unterstützt, Stressmomente in der Corona-Krise zu bewältigen sowie Hinweise zu Beratungsstellen, damit Gewalt als Ventil für Stress nicht zur Option wird. https://bundesforum-maenner.de/2020/03/25/corona-krise-survival-kit-fuer-maenner-unter-druck/
Broschüre der AGJ Freiburg (pdf) mit Informationen und Tipps für Eltern: Umgang dem Thema Corona, Umgang mit Erziehungsstress,

Tipps für Beschäftigungsmöglichkeiten (Anleitungen, Videos, Internetseiten)

https://agj-freiburg.de/images/downloads/KJS/ElternWissen_Corona.pdf
Online-Kommunikation
Tools und Handreichungen für die “digitale Jugendarbeit” aus Rheinland-Pfalz Kurzbeschreibung von Funktionen und Einsatzmöglichkeiten https://jugend.rlp.de/konzepte-und-materialien/digitalejugendarbeit/

 

FORUM Zeit für Jugend: Fachaustausch & Vernetzung = Online-Forum der Arbeitsgemeinschaft der Jugendarbeit in Sachsen, Ziel: Tools und Methoden vorzustellen, die den “Krisenalltag” erleichtern und anschließend den Arbeitsalltag bereichern sollen https://zeitfuerjugend.de
Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze: Online-Forum mit den Kategorien: Material für Kinder, Rechtliches, Austausch und Diskussion… https://forum.bdja.org/
Veranstaltungen    
Fachtag zur psychischen Gesundheit von gewaltbetroffenen Frauen am 11.09.2020 im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. (EWDE) in Berlin https://www.arbeitskreis-frauengesundheit.de/