StoP Steilshoop

Steilshoop ist eine seit den 1970er Jahren gewachsene Großsiedlung. Charakterisiert durch die hohen Häuser und die kulturelle Vielfalt seiner BewohnerInnen leben hier auf 84 ha etwa 18.000 Menschen unterschiedlichster Herkünfte.
Steilshoop-von-obenAm 15.05.2010 startete StoP in Steilshoop und hat seitdem nicht aufgehört! (Stand 2014). Damit konnte ein neues, an dem Wissen und dem Engagement von Nachbarschaften ansetzendes Konzept erstmalig in größerem Rahmen in Deutschland erprobt werden. Nach Steilshoop geholt wurde es von der dortigen Leiterin des Hauses der Jugend, Simone Bock. Sie lernte den Ansatz der Gemeinwesenarbeit (GWA) und das darauf basierende „StoP“- Projekt auf einer Tagung an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) kennen. Die lebendigen Vorträge der „StoP“- Entwicklerin Prof. Dr. Sabine Stövesand und ihrer Kooperationspartner vom Nachbarschaftsprojekt „Close to Home“ aus Boston, inspirierten und begeisterten sie so, dass sie das Thema prompt in den Stadtteilbeirat einbrachte und dessen Unterstützung gewinnen konnte.
Da es allerdings keinen einzelnen Träger vor Ort gab, der eine Personalstelle und Sachmittel zur Verfügung stellen konnte, wurde stattdessen eine kooperative Trägerstruktur aus verschiedenen Stadtteileinrichtungen, neben dem HdJ die Elternschule und das Quartiersbüro, und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) etabliert. Die HAW stellte eine halbe, befristete Stelle von der HAW zur Verfügung gestellt. Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat diese neuen Ideen und Vorschläge zur Prävention häuslicher Gewalt von Beginn an sehr interessiert aufgenommen und finanziell unterstützt. Zusätzliche Förderung erhielt und erhält StoP über das Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) im Bezirk Wandsbek.

Ausgerechnet Steilshoop?!

steilshoop_bannerZu Beginn des StoP-Projektes wurden Befürchtungen geäußert, dass die Durchführung eines Gewaltpräventionsprojektes in Steilshoop signalisiere, dass es in Steilshoop besonders viel Gewalt gäbe und somit zur gängigen Negativsicht als „Problemviertel“ beigetragen wird. Es stimmt: klassischerweise findet Gemeinwesenarbeit in Armutsquartieren und benachteiligten Stadtteilen statt, die als defizitär gelten. Beschränkte sich Gemeinwesenarbeit zu Partnergewalt ausschließlich auf heruntergekommene Altbauquartiere oder Hochhaussiedlungen und deren BewohnerInnen würde sie ein landläufiges Falsch- und Vorurteil reproduzieren, das in abwertenden Formulierungen wie „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ Ausdruck findet und trüge zur Stigmatisierung marginalisierter Bevölkerungsteile bei.
In bürgerlichen Stadtteilen und Villenvororten existieren jedoch keine GWA-Projekte, weil es dort angeblich keine sozialen Probleme gibt. Bei der Gewalt im Geschlechterverhältnis handelt es sich allerdings sehr wohl um ein übergreifendes soziales Problem.
Das Vorkommen von Gewalt ist ebenso ein Kriterium für ein defizitäres Gemeinwesen, wie das Fehlen von Grünflächen oder die Sanierungsbedürftigkeit von Häusern. Lebensbedingungen, die Gewaltwiderfährnisse einschließen, sind Lebensbedingungen, die veränderungsbedürftig sind. Deshalb können Interventionen im reichen Blankenese in Hamburg genauso angebracht sein wie in Steilshoop.
Im Laufe der Diskussion und auf der Grundlage dieses Wissens veränderte sich die Einstellung der Menschen in Steilshoop. Die Skepsis und die Defizitperspektive wurde abgelöst durch Selbstbewusstsein und Pionierstolz: „Dieses Projekt wäre in allen Stadtteilen erforderlich. Aber Steilshoop hat den Mut. Steilshoop gibt ein gutes Beispiel. Steilshoop fängt an!“

Umsetzung anhand des 8-Schritte-Programms

Nachdem ein im Stadtteil gut vernetzter Trägerkreis etabliert, eine Stelle eingerichtet und eine Sachkostenfinanzierung sicher gestellt war (1) , startete „StoP“ eine aktivierende Befragung von 30 MultiplikatorInnen aus dem Stadtteil, darunter VertreterInnen verschiedener religiöser Gemeinschaften, zivilgesellschaftlichen Gruppen und aus Sozial- und Bildungseinrichtungen. Das Ziel war es, Informationen zu gewinnen (Eindruck vom Stadtteil, Gewaltvorkommen, Gewaltverständnis), Bewusstwerdungsprozesse zu initiieren (Reflexion über Partnergewalt ausgelöst durch Interviewfragen), Beziehungen aufzubauen, potentielle NachbarschaftsaktivistInnen zu identifizieren sowie die GesprächspartnerInnen zur Mitarbeit zu aktivieren (2).

stop-buffetÜber die bei der aktivierenden Befragung geknüpften Kontakte entstanden drei verschiedene Gesprächsgruppen mit Frauen aus Steilshoop, die so genannten „Küchentische“ (3). Der Name soll den informellen, niedrigschwelligen Charakter unterstreichen. Tatsächlich gab/gibt es bei den Küchentischen immer einen gedeckten Tisch. Die ersten Küchentische fanden statt in der Elternschule Steilshoop, im Haus der Nachbarschaft und im Spielcontainer von MoKiP (Mobiles offenes Kinderprojekt). Mittlerweile (2014) existiert ein fester Gruppenzusammenhang von Frauen verschiedener ethnischer Herkünfte, von denen einige nun im vierten Jahr aktiv dabei sind. Im Winter 2010/2011konstituierte sich auch eine Männergruppe, die von einem externen Moderator und einem interessierten, aktiven Steilshooper initiiert wurde. In 2013 haben aus Ghana stammende Steilshooper und Steilshooperinnen einen „ghanaischen Küchentisch“ gegründet.

Bei den Küchentischen geht es darum, sich zum Einen in einem eher alltags- und erfahrungsorientierten Teil über eigene Beobachtungen im Stadtteil und private Gedanken und Erlebnisse auszutauschen, zum Anderen wird über konkrete Aktionen gesprochen und Verabredungen getroffen.

Ein häufig eingesetztes Mittel sind hierbei Rollenspiele zu Themen wie: „Wie spreche ich meine Nachbarin an, von der ich meine, dass sie Gewalt erfährt?“ oder „Was sage ich, wenn jemand meint, Gewalt sei Privatsache“ oder „Soll ich mich unmittelbar in eine Gewaltsituation einmischen?“ Die Küchentische wurden/werden begleitet durch eine Bezugsperson aus der professionellen Sozialarbeit in Steilshoop. Es nahmen Frauen mit deutschem, türkischem, iranischem, polnischen und Ghanaischen (Migrations-)hintergrund teil, darunter wichtige Schlüsselfiguren ihrer jeweiligen Community.

Im Laufe ihrer Treffen, die alle 3-4 Wochen stattfinden, produzierten die Küchentische gemeinsam ein Plakat, auf dem die Aktiven und UnterstützerInnen (aus dem Stadtteil) unter dem Motte: Wir sind dabei „Gesicht zeigten“.

Rukiye beim NDRUm für weitere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit (4) zu sorgen, besuchten die Aktiven zahlreiche Gewerbe, sprachen mit KioskbesitzerInnen, ApothekerInnen, ÄrztInnen aus dem Stadtteil und erreichten, dass die Plakate wochenlang in vielen Schaufenstern hingen und die Informationsarbeit gleichzeitig Kreise gezogen hatte. Das Plakat führte häufig zu spontanen Gesprächen zwischen Aktiven und anderen Menschen aus dem Stadtteil („Bist du das nicht auf dem Plakat, das da im Einkaufszentrum hängt?“).

Zu den Plakaten kamen mit der Zeit StoP-Aukleber, Postkarten, T-Shirts, und Faltblätter in vier verschiedenen Sprachen, es erschienen Artikel in verschiedenen lokalen Printmedien und die Aktiven hatten die Möglichkeit an Radiosendungen mitzuwirken und das Projekt vorzustellen. Dies wurde, neben der Öffentlichkeitswirkung, von den Aktiven aus dem Stadtteil auch als wichtige Anerkennung ihres Engagements und Empowerment erlebt.

StoP zeigte auch auf dem Stadtteilfest, dem Weihnachtsbasar und dem Markt der Möglichkeiten Präsenz und schaffte es so, das Thema in traditionelle Stadtteilaktivitäten zu integrieren und so lebensweltbezogene Auseinandersetzungsmöglichkeiten zu schaffen.

InformationsgesprächErwähnenswert ist auch die aktivierende Befragung, die von den Bewohnerinnen des Stadtteils an den Haustüren in Steilshoop und im Einkaufszentrum durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 699 Interviews geführt!

Spaß gemacht hat Vielen die Mitarbeit an der Erstellung des Informationsfilms zum Projekt, sogar der Soundtrack wurde von Jugendlichen aus dem Stadtteil produziert.

Wichtig war auch die Ausstellung Herzschlag. Die Ausstellung wurde von Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen des Frauenhauses Norderstedt zum Thema häusliche Gewalt erstellt und zwei Mal im Stadtteil – im Bildungszentrum und im Einkaufszentrum – gezeigt. Aktive „StoPlerInnen“ aus dem Stadtteil standen als Ausstellungsguides für Fragen der BesucherInnen bereit.

Im Jahr 2012 wurde außerdem ein Theaterstück „Die war nicht so“, welches Gewalt in Beziehungen aus Sicht von Jugendlichen problematisiert, von Jugendlichen der Beruflichen Schule H20 in Steilshoop unter der Leitung von Spielleiter Olaf Bublay und Patrik Aboze erarbeitet wurde. Das Stück wurde mit großer Resonanz aufgeführt und 2013 mit dem Hamburger Bertini Preis ausgezeichnet.

ProjektvorstellungNeben Vorstellungen des Projektes bei zentralen Stadtteilgremien, wie dem Stadtteilbeirat Steilshoop, der Sozial-AG, Finanz-AG des Stadtteilbeirates oder der Koordinierungskonferenz gab es gleich zu Beginn einen ganztätigen Workshop für Professionelle und interessierte AnwohnerInnen, an dem 16 Personen teilnahmen und sich mit den Ursachen von Gewalt und verschiedenen Gewaltformen beschäftigten (5).

Insgesamt wurden von der Projektleitung, Frau Prof. Dr. Stövesand, vier ganztägige Workshops durchgeführt:

  • Workshop zum StoP-Konzept und zu Partnergewalt
  • „Was tun – was sagen“ – Vorbereitung der aktivierenden Befragung mit BewohnerInnen
  • „Erfahrungen aus Boston, USA“ mit Aimee Thompson (Close to Home, Boston  Link?) für AnwohnerInnen
  • „Nachbarschaftsbezogene Prävention von Partnergewalt“ mit Aimee Thompson für Fachleute aus der Sozialen Arbeit, Wohnungswirtschaft und Politik.

Besonders die Workshops mit Frau Thompson kamen sehr gut an und waren gut besucht, die Teilnehmenden fühlten sich durch die Tatsache sehr wertgeschätzt, dass extra eine Referentin aus dem Ausland zu ihnen anreiste. Dies wirkte sich sehr positiv auf die Motivation aus. Außerdem wurde durch die Vorträge verdeutlicht wie Nachbarschaftsarbeit funktioniert und dass sie funktioniert!
DiskussionsveranstaltungZu erwähnen ist auch noch die Informationsveranstaltung: „Was passiert, wenn’s passiert?“ mit ExpertInnen vom LKA 122, der lokalen Polizeiwache 36, der Beratungsstelle „pro aktiv“ und aus dem Frauenhaus. Die Veranstaltung wurde von den aktiven BewohnerInnen angestoßen und maßgeblich mit vorbereitet, mitgestaltet und moderiert.
Nach zwei Jahren Laufzeit war das StoP-Projekt im Stadtteil gut bekannt und mit vielen Fachleuten und Einrichtungen vernetzt, bis heute (Stand 2014) finden regelmäßig gemeinsame Aktionen wie beispielsweise ein Frühjahrsbrunch oder gemeinsames Grillen, Kaffee trinken statt.

Einer hamburgweite Organisation im Bereich der Opferarbeit und Intervention bietet vor Ort eine Beratungszeit an. Die Aktiven und die beteiligten Stadtteileileinrichtungen übernehmen die Weitervermittlung von Betroffenen und Ratsuchenden mit spezifischen Bedarfen an entsprechende Fachstellen (6).
Es wurden fortlaufend telefonisch und persönlich zahlreiche Einzelgespräche mit Interessierten und AktivistInnen geführt durch die externen ModeratorInnen. Die Gruppenabende wurden ergänzt um offene Treffen für alle Aktivist/innen und neu Interessierte (7)
StoP hat Kontakte zu Fachleuten und PolitikerInnen in verschiedenen Zusammenhängen hergestellt (8) , u.a. im Bezirk Wandsbek (Sozialdezernat, Sozialraummanagement, Jugendamt), auf Hamburgebene, (Vorstellung beim „Runden Tisch gegen häusl. Männergewalt in HH“, Gesprächskreis auf Behördenebene, Gespräche mit Abgeordneten), auf der Bundesebene (Vortrag beim Vernetzungstreffen der Interventionsstellen, beim Deutschen Präventionstag, beim bundesweiten Frauenhaustreffen)

Männer sind mit dabei – Gegen Partnergewalt

Männer für StoPVon Dezember 2010 bis Juni 2012 war im Steilshooper Projekt StoP. auch eine Gruppe Männern aktiv. Wie die Frauen ihre Küchentische organisieren, so fanden sich auch die Männer regelmäßig zu Geprächsrunden zusammen: den Männertischen. Die Anfangsgespräche waren davon geprägt, den Begriff der Partnergewalt zu klären. Wie so oft bei Diskussionen über Gewalt wurde eine Identifizierung entlang der Täter-Opfer-Gegenüberstellung gesucht. Einerseits wollen sich die Männer von einer Täterposition abgrenzen, da die Fakten über gewalttätige Konflikte in Partnerschaften recht eindeutig aufzeigen, dass hier vornehmlich Männer als Gewalttäter auftreten. Zugleich liegt aber eine Solidarisierung unter Männern als Opfer von Partnergewalt nicht auf der Hand, da es hierzu wenig Erfahrungsberichte gibt. Es erwies sich darüber hinaus, dass eine öffentliche Gesprächskultur von Männern über Gewalterfahrungen kaum entwickelt ist.
Die Verschiebung des Blicks auf die Beziehung zwischen Gewalt und Handlungs(un)fähigkeit machte die Diskussion fruchtbarer. Wie erklären wir uns, dass eher Männer die Handlungsweise nutzen, bei Konflikten in Partnerschaften zur Gewalt zu greifen? Warum sind diese Männer der Ansicht, scheinbar ´nur´ mit Gewalt handlungsfähig zu bleiben? Diese Gespräche über die Beziehung zwischen Männlichkeit und Gewalt warfen viele Fragen auf und forderten zum Hinterfragen von Vorurteilen auf. Weiterhin offene Fragen und genügend Neugier sind Anlass, diese Gespräche an den Männertischen weiterzuführen; und dazu auch Vorträge oder Veranstaltungen zu organisieren, um genau mit diesem Thema auch die Öffentlichkeitsarbeit des StoP-Projektes in Steilshoop zu unterstützen. Die Aktiven des Männertisches beteiligten sich in den letzten Monaten auch an den anderen öffentlichen Aktivitäten des StoP-Projektes, wie z.B. den Informationsständen und -veranstaltungen.
austausch2Es gelang, sehr unterschiedliche Männer aus Steilshoop als öffentliche Repräsentanten für die StoP-Kampagne zu gewinnen. Sie waren bereit, mit ihrem Porträt auf einem Männerplakat für das Ziel eines Stadtteils ohne Partnergewalt werben. Letztlich geht es nicht nur darum, zur Eindämmung von Gewalt beizutragen, sondern auch eine öffentliche Kultur in Steilshoop zu fördern, in/mit der Männer Gewaltlosigkeit – insbesondere in der Partnerschaft – als einen angesehenen und unumstrittenen, bewährten und geschätzten Wert vertreten.

Die StoP-Männergruppe, Juli 2012

 

Jugendarbeit

Da Steilshoop nach wie vor ein sehr junger Stadtteil ist, ist es nur folgerichtig, dass das StoP-Projekt auch jugendspezifisch umgesetzt wird. Das Haus der Jugend war maßgeblich daran beteiligt, StoP nach Steilshoop zu holen und nahm somit von Beginn an eine wichtige Multiplikatorenrolle im Stadtteil ein, indem Plakate und Flyer hier verstärkt veröffentlicht wurden und so das Thema StoP im Clubraum Einzug hielt.

jugendlicheStop3Durch das Informationsmaterial wurde nicht nur das Interesse vieler Jugendlicher geweckt, sondern auch das der Schüler_innen und Lehrer_innen der im Bildungszentrum angesiedelten Schulen. Auf diesem Weg wurde das Thema der Partnergewalt in den Englisch- und Deutschunterricht einiger Klassen integriert und so verstärktes Interesse am Projekt geweckt.

In der Beruflichen Schule Bramfelder See/ H20 setzten zehn Schüler_innen dieses Interesse gemeinsam mit einer engagierten Lehrkraft in die Tat um. Unterstützt durch einen Schauspieler vom Jungen Schauspielhaus, der selbst einmal Schüler in Steilshoop gewesen ist, stellten sie neben dem Unterricht das Theaterstück „Die war nicht so!“ auf die Beine. Nach einer vielversprechenden Premiere dieses Stückes im Bildungszentrum, zu der Schulklassen aus ganz Hamburg und sogar aus Lübeck gekommen waren, durfte die Gruppe für zwei weitere Vorstellungen auf Kampnagel auftreten. Somit wurde über das Theaterstück hamburgweit Aufmerksamkeit für das StoP-Projekt geweckt. Für den selbst geschriebenen Text und ihre schauspielerische Leistung auf der Bühne, wurde die Gruppe im Jahr 2013 mit dem Hamburger Bertini-Preis und in München mit dem Hambrücher-Preis ausgezeichnet.
Aber auch im Haus der Jugend konnte das anfängliche Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vertieft werden. Die Gruppe „Grownchild“ brachte ihre Talente im Bereich Musik/ HipHop mit der Thematik des Projektes in Verbindung und komponierte einen StoP-Song. Auch sie trugen dazu bei den Bekanntheitsgrad von StoP zu erhöhen, indem sie auf Stadtteilfesten und bei großen Projekt-Veranstaltungen performt haben.

jugendliche1Die inhaltlich und thematisch intensivste Jugendgruppe fand sich jedoch im November 2011 unter den Stammbesucher_innen des HdJ. Gegründet aus anfänglich sechs Mädchen und fünf Jungen im Alter von 15 bis 19 Jahren formte sich recht schnell eine konstante Gruppe, die in ihren wöchentlichen Treffen die Aspekte der Partnergewalt aus ihrer eigenen Perspektive heraus bearbeitete: im Zentrum standen Fragen und Themen wie „Was ist Respekt?“, „Wo fängt Gewalt an?“, „Welche verschiedenen Formen kann Gewalt annehmen?“, wobei auf Diskussionsführung und sprachlicher Ausdrucksweise besonderer Wert gelegt wurde. Neben gruppenbildenden Aktivitäten bestand die methodische Gestaltung aus einer Mischung aus Workshops, Gesprächsrunden, Besuchen themenspezifischer Veranstaltungen, Rollenspielen, und Textarbeit (v.a. Songtexte bekannter Lieder). Der Kontakt zu den anderen Gruppen (besonders zum Küchentisch und der Theatergruppe) wurde durch verschiedene gemeinsame Unternehmungen gefestigt. So haben Jugendliche und Frauen zusammen die HERZ-Schlag-Ausstellung im Stadtteil begleitet, die Filmvorführung von „Kinderstimmen“ besucht, die Lesung „Warnsignale“ gehört, das StoP-Kochbuch gestaltet und gemeinsame Küchentisch-Abende verbracht. Größere Veranstaltungen wie der alljährliche Neujahres-Brunch und StoP-Feiern rundeten das gemeinsame Engagement ab.

jugendliche3Ein kleines Highlight war das Workshop-Wochenende, das die StoP-Jugendlichen zusammen mit der Theatergruppe in Schönhagen an der Ostsee verbrachten. Neben einem gegenseitigen Kennenlernen stand vor allem die intensive Beschäftigung mit den Projekten der beiden Gruppen auf dem Programm.

Für die Jugendgruppe aus dem HdJ bedeutete das, die Umsetzung des vorher selbst geschriebenen Drehbuches in filmische Szenen. Der Film „Die Tage, an denen es die Sonne nicht gab“ zeigt verschiedene Formen von Gewalt, wie sie in Partnerschaften auftreten können. Von der ersten groben Idee bis zum Final Cut war die Gruppe sowohl vor, als auch hinter der Kamera für die Entstehung des Filmes verantwortlich. Ursprung der Drehbuchidee war die Auseinandersetzung mit der Vielfalt an Gewaltformen, die weit über das rein Körperliche hinausgehen. Die Szenen spiegeln die Ansichten wider, dass nicht nur Frauen Opfer von Gewalt werden, und dass seelische Misshandlung eine oft unterschätzte Form von Gewalt darstellt.

Der Film ist ein weiterer Beitrag der Jugendlichen zu ihrer spezifischen Öffentlichkeitsarbeit; sie zeigen noch einmal ihre Gesichter gegen Gewalt, wie sie es bereits auf dem eigenen Plakat getan haben.

Nachdem die StoP-Jugendlichen aus dem HdJ gemeinsam mit den Küchentisch-Frauen bei Close to Home in Boston ganz wunderbare Erfahrungen sammeln und einen richtigen Energieschub mit zurück nach Hamburg bringen durften, stellte sich die Frage – was wollen wir nun tun? Uns war schnell klar, dass unsere Arbeit nicht einfach vorbei sein konnte! Und das sollte sie auch nicht sein: drei der Mitbegründerinnen der ersten Jugendgruppe haben sich dazu entschlossen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse an eine „neue Generation“ weiterzugeben. Aktuell bereiten sie gemeinsam Gruppenstunden vor, die sie dann bei den wöchentlichen Treffen mit einer neuen Jugendgruppe im Alter von 14 bis 17 Jahren leiten und durchführen. Ihre Multiplikatorinnenrolle erfüllen sie mit sehr viel Freude und Engagement und das überträgt sich auch spürbar auf unsere nachfolgende StoP-Jugend.

 

Internationale Arbeit

jugendliche2Vorbild unserer Arbeit war von Beginn an das Engagement einer Gruppe aus Boston. Schon immer begeisterte uns die Vorstellung, dass etwa 5’800 km entfernt eine Organisation sich mit dem gleichen thematischen Schwerpunkt auseinandersetzt, wie wir es tun und in uns erwachte der Wunsch, die Einrichtung „Close to Home“ zu besuchen und uns mit ihnen fachlich auszutauschen.
Im Mai 2013 ging unser Wunsch endlich in Erfüllung und zum ersten Mal wurde ein Multiplikatorenaustausch realisiert, an dem Erwachsene und Jugendliche gemeinsam teilnahmen.

Der rundum offene und gastfreundliche, oft sogar sehr herzliche Empfang, den die verschiedenen Einrichtungen uns boten, hinterließ bei allen einen sehr positiven Eindruck. Sowohl aus den Darstellungen der Arbeit unserer Gastgeberorganisation, als auch aus den Besuchen weiterer Bostoner Einrichtungen haben die Reisenden zahlreiche Ideen aufgenommen und arbeiten daran, diese an das StoP-Projekt anzupassen.

Jugendgruppe in BostonZunächst etwas befremdlich erschien der Hamburger Jugendgruppe der recht strikt präsentierte Workshop-Stil, den die Bostoner Projekte vorstellten. In der Tat ergab sich meist erst nach dem intensiven gemeinsamen Durchlaufen einer Art „Lehrstunde“ zu den verschiedenen Themen die Gelegenheit, in einen gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe zu kommen. Sehr positiv zu bewerten war jedoch, dass die Workshops alle absolut jugendgerecht und mit vielen praktischen Einheiten aufgearbeitet waren. Außerdem zeigt die Erstellung und Organisation solcher Programme, wie obligatorisch der Umgang mit dem Thema der Beziehungsgewalt an vielen Schulen und in vielen Einrichtungen in den Alltag junger Menschen integriert wird.

Die Küchentischfrauen besuchten teilweise andere Projekte, als die Jugendlichen, welche mehr auf das Thema der Gemeinwesenarbeit fokussiert waren; somit erhielten sie einen tieferen Einblick in die sozialen Strukturen und den Aufbau sozialer Einrichtungen. Auch sie ließen sich ergreifen von der teils engagierten, teils emotionalen Arbeit, die dort geleistet wird.

Somit konnten die StoP-ler_innen in Boston nicht nur konkrete Ideen aufgreifen, sondern sie konnten auch einen beinahe euphorischen Motivationsschub für ihre eigene Betätigung aus ihren Erfahrungen ziehen. Die Fortsetzung des Austausches wird als äußerst wünschenswert erachtet und auch der Kontakt zu „Close to Home“ wird durch weitere gemeinsame Projekte und einen intensiven Mailverkehr, sowie Skypekonferenzen über die weite Distanz hinweg gehalten.

jugendliche-internatDie gemeinsame Reise und die im Sommer organisierte Veranstaltung „StoP-meets-Boston“ ließ uns alle noch einmal näher zusammenrücken: der Küchentisch und die Jugendlichen haben einander besser kennengelernt und zusammen neue Freunde in den USA gefunden. Der intensive Austausch und unsere Verschiedenartigkeit sind eine gute Basis für weitere Kooperationen im Stadtteil.
Zusammen arbeiten wir bereits mit Hochdruck daran, unsere Freunde aus Boston im Mai in Hamburg begrüßen zu können.

Fortbildung

Fünf Bewohnerinnen aus Steilshoop und zwei Sozialarbeiterinnen nahmen 2013 an einem Pilotprogram zur Fortbildung auf Grundlage des im StoP- Konzeptes teil.